Insektensterben in Deutschland ist Gewissheit

Weniger Insekten auf der Windschutzscheibe, weniger Wespen auf dem Apfelkuchen und weniger Mücken im Schlafzimmer – die Anzeichen haben wir im Grunde alle vor Augen. Wissenschaftlich belegte Zahlen für ein Insektensterben gab es jedoch bislang nicht. Nun wurden die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, welche die Vermutungen mit erschreckenden Zahlen bestätigt.
Essenz des Artikels im Fachmagazin „Plos One“ ist, dass die Gesamtmasse der Fluginsekten in Deutschland in den vergangenen 27 Jahren durchschnittlich um mehr als 75 Prozent abgenommen hat.

Zur Erhebung der Daten wurden an 63 unterschiedlichen Standorten in Deutschland Insektenfallen installiert. Bei regelmäßigen Leerungen wurde die Biomasse der Insekten festgestellt. Besonders im Hochsommer zeigte sich im zeitlichen Verlauf ein Rückgang von fast 82 %.

Die Tatsache, dass die Erfassung der Insekten ausschließlich in Schutzgebieten stattfand, macht die Aussage der Studie um so dramatischer. Dies zeigt, dass nicht einmal mehr Schutzgebiete einen sicheren Lebensraum bieten und diese somit auch nur noch in geringem Maße als Ausgangspunkt für die Besiedelung der Agrarlandschaft dienen können. Wie die Zahlen einer solchen Untersuchung in der Agrarlandschaft aussehen würden, möchte man sich nicht ausmalen.

Randring-Perlmutterfalter, die Patenart unserer Lamm-Lyoner vom Rhönschaf (Frank Vassen, Flickr CC-BY 2.0)

Die Folgen des Insektensterbens sind dramatisch. Pflanzen werden nicht mehr durch Hummeln und Bienen bestäubt, bilden keine Früchte und können sich nicht Vermehren. Vögel und Reptilien finden weniger Nahrung und werden so ihrer Lebensgrundlage beraubt. Dies wiederum hat Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette. Weitere, bisher nicht abschätzbare Folgen sind wahrscheinlich.

Die entscheidende Frage um die festgestellte Entwicklung zu stoppen, ist die nach der Ursache des Rückgangs.

Diese wird in der Studie nicht untersucht oder beantwortet. Es wird auf weiteren Forschungsbedarf zu Umfang und Ursachen des dargestellten Insektenrückgangs verwiesen. Es liegt jedoch nahe, dass dafür die Landwirtschaft maßgeblich verantwortlich ist.

Der massive Einsatz von Pestiziden sowie die intensive Düngung der Felder führen zu komplett veränderten biologischen Rahmenbedingungen. Die ganzjährige Bewirtschaftung von Ackerflächen, sowie die Verminderung von naturbelassenen Randstreifen, Hecken und Gehölzen an Straßen und Wegen schränkt den Lebensraum – nicht nur für Insekten – massiv ein.

Mit Verzicht auf Pestiziden und intensive Düngung sowie Einhaltung von Fruchtfolge und Bearbeitungsruhen fallen beim ökologischen Landbau einige dieser Faktoren weg. Entsprechend ist der ökologische Landbau deutlich schonender zu Insekten als die intensive Landwirtschaft und sollte daher flächendeckend die Bewirtschaftungsart der Wahl sein – so appelliert z.B. auch der NABU für einen konsequenten Umstieg auf Ökolandbau.

Die Helle Erdhummel, Patenart unseres Rhöner Apfel-Aufstrichs

Wir als VIVASPHERA setzen uns darüber hinaus gemeinsam mit unseren Erzeugern aktiv für den Schutz der Insekten ein. So zum Beispiel für den Zitronenfalter, für welchen der Winzer unseres Chardonnay RHAMNI, aus der Region des Biosphärenreservates Pfälzerwald, Schmetterlingssträucher auf seinem Weinberg angepflanzt hat. Oder in der Region des Biosphärenreservat Rhön für den Schwabenschwanz, die Patenart unseres Rhöner Quitten-Aufstriches, für welchen unser Erzeuger Blühstreifen anlegt. Weiterhin für den Randring-Perlmutterfalter, dessen Lebensraum durch die Beweidung von Rhönschafen erhalten wird und die Helle Erdhummel, welcher in Hummelkästen auf Streuobstwiesen unseres Erzeugers eine Heimat findet.

Quellen und weitere Informationen:

Von | 2017-11-03T16:42:11+00:00 Freitag, 20.10.2017|Arten-Infos|

Über den Autor:

Ulfert Saathoff
Ulfert Saathoff (M. Sc.), Naturschutz/Monitoring