Dem Birkwild auf der Spur

Samstag früh, 5:15 Uhr, auf der Hochrhön. Unterwegs mit dem Gebietsbetreuer und VIVASPHERA-Monitorer Torsten Kirchner, bei der jährlichen Birkwild-Zählung in der Langen Rhön, dem größten Naturschutzgebiet Bayerns nördlich der Alpen. Aufstehen um 3 Uhr, Treffen halb 4, Schlag 4 Uhr gut präpariert am zugewiesenen Platz sitzen. Unter einem wolkenlosen nächtlichen Sternenzelt bricht langsam die Dämmerung an. Mit dem ersten Licht erwacht die Natur zum Leben. Das Vogelgezitscher beginnt langsam, erste leise Gesänge. Da hört man ein Zischen und Kullern aus dem nahe gelegenen Moor. Ein Birkhahn, der dort um die Hennen wirbt. Ich sage schon: „Aber hier passiert ja nix“, da geht es los: Zwei Hennen fliegen ein, direkt dahinter ein Hahn, der 15 Meter neben uns auf dem Feldweg landet. In seinem schwarz-blau glänzenden Balzkleid gibt er sich ungestört seinem Balztanz hin. Die Hennen, bald sind es drei, baumen auf umliegenden Ebereschen auf, äßen ein paar frisch-gesprosste Blättchen, genießen die erste Morgensonne und schenken (vielleicht) auch dem Hahn zu Ihren Füßen ihre Aufmerksamkeit. Dann fliegt der Hahn ab, ein anderer, noch stärkerer Prachtkerl fliegt ein. Auch eine Henne vertreibt die andere von Ihrem Sitzplatz und breitet dazu Ihre Schwanzfedern im Halbkreis aus, wie ein kleiner Pfau. Die Schauplätze und Akteure wechseln, das Schauspiel geht weiter, stundenlang. Daneben sehen wir Braunkehlchen und Schwarzspecht, hören Schwarzkehlchen, Wendehals und Waldschnepfe, um nur die besonderen Arten zu nennen. Um 8 Uhr endet die offizielle Beobachtung, um 9 Uhr brechen wir auf.

Birkhahn (Foto: Torsten Kirchner)

Zum Abschied noch eine Begegnung mit einem der beiden kullernden, tanzenden Birkhähne (Foto: Torsten Kirchner). Für mich und auch für den zuständigen Biologen eine unvergessliche Begegnung mit dieser besonderen Art der Rhön.

Demnächst fährt Torsten wieder nach Schweden, um dort 25 Birkhühner- und Hähne zu fangen, die helfen sollen, die Rhöner Population zu sichern. (Armin Kullmann)

Von |Montag, 23.04.2018|Arten-Infos|

Über den Autor:

Armin Kullmann Dipl.-Ing. agr.